100. Geburtstag - 03.04.2006



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  Bericht aus den Erinnerungen von Marie Lemke :

....und Deutsch? Ein großer, schlanker, junger Mann tritt ins Klassenzimmer.
Schwarzer, eng anliegender Schwalbenschwanz, gewelltes blondes Haar, ein Gesicht, wie ein mittelalterlicher Holzschnitt, so stand Wilhelm Bock vor uns..

Für Wilhelm Bock war wohl die erste Begegnung mit Marie Lemke entscheidend ;
D i e oder keine hat er damals gedacht.
Über seinen Kollegen und Bundesbruder Erich S e h m s d o r f, der ja mit Lemkes verwandt war, fand er Eingang in das Haus seiner Schülerin - und Marie war überglücklich, endlich einen ihr ebenbürtigen Gesprächspartner gefunden zu haben.
Als Wilhelm Bock 1903 nach Tilsit als kommissarischer Oberlehrer versetzt wurde, warb er um Marie Lemke.
Dies junge Mädchen aber mochte an Heirat noch nicht denken
Sie hatte grade eine Liebes-Beziehung gelöst um sich ganz dem Studieren der Wissenschaften zu widmen.-
Aber dem taktvollen, geduldigen Werbens und des hohen Niveaus, auf dem diese Partnerschaft stand, konnte sich die junge Frau nicht längerentziehen ; im April 1904 gab sie nach,und am 12. April 1905 fand in Königsberg die Hochzeit statt.
Wilhelm Bock war 30, Marie 25 Jahre alt.
Aus den Aufzeichnungen der Tochter Marion :
Heute würde eine junge Frau von solcher Begabung und solchem Wissensdurst wahrscheinlich keine feste Bindung mehr eingehen und auf keinenFall 5 Kinder aufziehen
Aber um die Jahrhundertwende hatte die Emanzipation der Frau eben erst begonnen und für junge Mädchen ihres Standes gab es zur Heirat kaum eine wünschenswerte Alternative..
Aus heutiger Sicht können wir nur mit großem Respekt auch von den Krisen reden, in den diese Ehe geriet.
Daß sie dennoch gehalten hat, scheint gradezu ein Wunder, für das wir dankbar sind.
Daß diese Ehe zwischen zwei so ausgeprägten Persönlichkeiten Schwierigkeiten mit sich brachte, wird jeder verstehen.
Ihre Z i e l e waren die selben, aber ihre Charaktere sehr verschieden.
Dazu kam die materielle Enge, an die sich meine Mutter schwer gewöhnen konnte.

Die erste Station der jungen Ehe war Tilsit, wo 1906 Marion und 1907 Hildegard geboren wurden.
1907 übernahm Wilhem Bock das Gymnasium in Rastenburg mit dem dort angeschlossenem
Schülerheim. In dieser Aufgabe konnte das Ehepaar sich mit ihren gemeinsamen Interessen und Ausbildungen voll einbringen. Der Unterricht und die Erziehung der jungen Menschen forderten ihre volle Aufmerksamkeit, zumal W,Bock durch seine Erfahrungen als Hauslehrerer eine neue Art der Jugend-Erziehung durch Vorbild, einbringen konnte.
Ihre eigenen, inzwischen 3 kleinen Kinder, vertrauten sie Erzieherinnen an, was besonders für ihre Älteste,Marion;,zur schmerzhaften Verlassenheits-Erfahrung wurde.
Sie war ein sensibles, besonders fantasievolles Kind und in ihrer Einsamkeit von Ängsten und Träumen geplagt, die sie keinem anvertrauenkonnte.
Ihre Eltern eingespannt in ihre Arbeit schienen unerreichbar und fern einzig die
Großmutter Marie, die im Hause mit half, konnte ein wenig an Zuwendung geben.
( Lektüre dazu : Ausbruch aus dem Paradies, Marion Sehmsdorf )


Marie Bock mit Marion, Hildegard und Hans-Georg)