100. Geburtstag - 03.04.2006



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Biographie Prof. Wilhelm Bock

1874 -1954 geschildert von Tochter Marion

Als ich am 3.April 1906 geboren wurde, war mein Vater Wilhelm Bock ,kommissarischer Oberlehrer am Gymnasium in Tilsit .
Er war dort seit dem Herbst 1903 .
Vorher hatte er als Assessor in Königsberg am Altstädtischen Gymnasium
Marie L e m k e kennen und lieben gelernt - um sie geworben - sich mit ihr
1904 verlobt und am 12.April 1905 in Königsberg geheiratet.



Ich war das erste Kind meiner Eltern - und wurde auf den Namen :Marie-Margarete
getauft.- Meiner Großmutter mütterlicherseits gefiel dieser Name nicht - sie nannte mich Marion - und das hat sich dann so eingebürgert .Nur, wenn ich etwas
amtlich unterschreiben muß, dann muß ich mit Marie-Margarete unterschreiben .

    

Mein Vater ein Waldbauernbub aus Hundsdorf bei Bad Wildungen, war Nachkomme
aus einem alten Bauerngeschlecht . Seine Mutter wiederum stammte aus einer alten Lehrerfamilie .
Er wurde am 14.Dezember 1874 als jüngstes Kind in Hundsdorf geboren -
trotzte ohne äußere Nötigung seinem Vater mit 12 Jahren die Erlaubnis ab,das
Gymnasium in Korbach ( ca 25 km) zu besuchen.
Einziger Grund:- nach eigener Aussage : er will mehr lernen und wissen, als er
es auf einem Lehrerseminar könnte - sein Ziel: die Universität

In Korbach lernt er jetzt zum ersten mal Armut und mancherlei Demütigungen kennen, muß mit 10jährigen in eine Klasse gehen , weil ihm die Sprachen Latein und Französisch fehlen.
Von Heimweh überwältigt packt er eines Tages sein Bündel und macht sich- zu Fuß natürlich-auf den Heimweg.-
Unterwegs wird ihm klar, daß er dann keine Chance mehr hat , sein Ziel zu erreichen .( Lektüre dazu: Ein Schulmeisterleben )
Er kehrt um. -Nun findet er Hilfe. Ein älterer Schüler nimmt sich seiner an und gibt ihm Nachhilfe in den Sprachen. Erfolg : Er überspringt erst eine, dann die zweite Klasse , macht als Jüngster sein Abitur und bezieht die Universität in Marburg um Philosophie und alte Sprachen, auch Germanistik, zu studieren .
Fast mittelos muß er mehrfach das Studium unterbrechen um als Hauslehrer Geld zu
verdienen und wird, nach dem Examen an der Universität in Greifswald am 12.Juli 1902 schließlich als Assessor nach Königsberg geschickt .
Im Herbst wird er kommissarischer Oberlehrer in Tilsit-1905 Königlicher Oberlehrer .
1907 beginnt er seinen Dienst an der Herzog -Albrecht-Schule in Rastenburg und übernimmt zugleich die Leitung des Evangelischen Schülerheimes .
(siehe Gedicht: Haus meiner Kindheit)
1914 - nach siebenjähriger Tätigkeit in dieser Doppelbelastung gesundheitlich angegriffen, mußte er diese Aufgabe abgeben.
Er zieht in Rastenburg mit seiner Familie ( inzwischen 3 Kinder) in eine Mietwohnung und unterrichtet am dortigen Gymnasium.
Der 1.Weltkrieg 1914 läßt Rastenburg zum Grenzland werden und später von den Russen besetzt .
Die Familie wurde getrennt und zu den Verwandten in Hundsdorf oder Baden-Baden
geschickt.
Erst 1916 - Wilhelm Bock wurde nach Königsberg versetzt, kam die Familie wieder zusammen und wohnte nun in der Steinstraße auf den Hufen .
ZU Marion kam nun Hildegard, Hans-Georg,Christel und Käthe dazu .
Aus den Aufzeichnungen des Wilhelm Bock :
Ich wurde in Königsberg Weihnachten 1916 Professor geworden, 1920 Studienrat , 1922 Oberstudienrat auf Vorschlag des Kollegiums.
Mit dem 1.Juli 1924 wurde ich zum Oberstudiendirektor am Staatlichen Gymnasium mit Realschule in Lyck befördert.



Aus den Aufzeichnungen von Marion S.
Mein Vater mußte Lyck schon 1934 verlassen und den braunen Vasallen Adolf Hitlers weichen.
Er war bis zu seiner Pensionierung 1937 Direktor eines Gymnasiums in Allenstein,



danach lebten die Eltern bis 1943 in Königsberg und haben beide dort an einer Privatschule unterrichtet.
Nach der Schlacht von Stalingrad sahen sie die Katastrophe kommen und nahmen eine glückliche Gelegenheit zum Wohnungstausch wahr, der sie nach Einbeck führte.
In dieser schönen mittelalterlichen Stadt mit der reizvollen Umgebung konnten sie sich - und auch uns - noch einmal ein Zuhause schaffen.
Mein Vater erhielt seine volle Pension und konnte sogar noch einige zeit am Gymnasium unterrichten, weil viele Lehrer eingezogen waren.


Unsere letzte Begegnung war zu seinem 77.Geburtstag - da hatte er, der sich sonst nicht besonders mit Malerei beschäftigt hatte, die Malerin Paula- Modersohn-Becker entdeckt und schwärmte wie ein Jüngling .
Danach folgten mehrere Schlaganfälle- kurz vor seinem 80.Geburtstag, am 8.August 1954, starb er.